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Lesen lernen

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Bücher geben uns eine tiefe innerliche Befriedigung. Sie sprechen zu uns, sie trösten uns, sie fesseln uns durch die Bande bedeutungsvoller und natürlicher Vertrautheit, und jedes Buch weckt den Wunsch, weitere kennenzulernen.- Francesco Petrarca –

Kulturelle Entwicklung

Seit Gutenberg den Buchdruck erfunden hat und Lesen sich langsam und stetig in allen

Seiten aus einer Enzyklopädie
Seiten aus einer Enzyklopädie

Bevölkerungsschichten etabliert hat, wird in unserem Kulturkreis vorausgesetzt, dass das Lesen und Schreiben beherrscht wird. Dies ist ein Grund, warum Lesen auch in der Entwicklung unserer Kinder von enormer Bedeutung ist und durch die Abstraktheit der Schriftsprache Fantasie und Begriffsbildungen besonders herausgefordert werden.

Kinder wollen auch lesen

Kinder wollen Lesen lernen und signalisieren das auf verschiedene Weise. Meist beginnt es mit der „harmlosen“ Frage: Wie heißt der Buchstabe?
Dies ist keine Frage eines Schulkindes, sondern diese Frage wird von Kindern schon ab einem Alter von vier Jahren gestellt. Daran zeigt sich, wie wichtig das Vorbildverhalten, die Hilfestellung und die Unterstützung der Eltern bei der Leseentwicklung der eigenen Kinder sind.

Individueller Prozess

Es zeigt sich, dass der eigentliche Leselernprozess individuell, aber auf jeden Fall schon vor dem Eintritt in der Grundschule einsetzt. Oder, anders gesagt: Man kann diesen Leselernprozess nicht planen!

In einer multimedialen Welt, in der wir heute leben, ist das Lesevorbild von besonderer Bedeutung. Lesen, egal, ob Zeitschriften oder Bücher, sollte zu einer selbstverständlichen Tätigkeit im Familienleben gehören. Kinder schauen viel von den Eltern ab, ja, ahmen sie in vielen Handlungen nach, sodass ein entsprechendes Vorbildverhalten hier in den meisten Fällen ansteckend ist.

Lesen kann man nicht erzwingen

Viele Eltern machen sich Gedanken und sind in großer Sorge, weil andere Kinder schon lesen können, das eigene aber noch nicht. Bis auf ganz wenige Ausnahmen besteht kein Grund zur Sorge, denn Lesenlernen ist ein individueller Prozess, der auch bei jedem Kind zu einem ganz individuellen Zeitpunkt beginnt. Sicherlich ist man auch in der Lage mit viel Einsatz, Stress und Tränen einem Kind das Lesen zu jedem gewünschten Zeitpunkt beizubringen, es wird aber immer an die Tränen denken und in der Regel keinen Spaß am Lesen finden.

Vertrauen in das Kind, Geduld und Unterstützung ist die richtige Devise, die nicht nur das Lesenlernen erleichtert und gleichzeitig nicht den Spaß am Lesen verdirbt. Lesen muss man ein Leben lang und wenn man das freudlos und widerwillig macht, ist das sicherlich nicht das, was man dem Kind vermitteln wollte.

Lesen lernst du in der Schule

Das war mal so und wenn ein Kind lesen konnte, wenn es in die Schule kam, so musste es den gesamten Leselernprozess mit den anderen Kindern der Klasse im Gleichschritt noch einmal durchlaufen.

Lesen lernen ist ein individueller Prozess, der häufig schon vor der Einschulung beginnt und manchmal vollkommen unbemerkt abläuft. Das ist häufiger der Fall, wenn ein großes Geschwisterkind schon die Schule besucht und so die Buchstaben mit nach Hause bringt. Der Leselernprozess beginnt in der Regel leise mit den Worten: Wie heißt der Buchstabe?

Jetzt nichts falsch machen!

Das Kind will nur wissen, wie der Buchstabe heißt und hat nicht darum gebeten, einen Leselernkurs machen zu dürfen. Also reicht es aus, wenn Sie ihm sagen, wie der Buchstabe heißt.

Aber, Vorsicht, hier wartet schon die zweite Falle: der Mitlaut oder Konsonant. Wen das Kind zum Beispiel den Buchstaben „M“ von Ihnen benannt haben wollte, dann sagen Sie jetzt bitte nicht „Em“ sondern „M“. Das erleichterte den anschließenden Leselernprozess enorm. Versuchen Sie mal so ein einfaches Wort wie Mama zu lesen, wenn der erste Buchstabe ein „Em“ ist. „Emaema“ oder Papa würde dann folgendermaßen versucht zu lesen, wenn der Buchstabe dem Kind mit Umland, als „Pe“ genannt worden ist: PeaPea.

Vorlesen ist out?

Hoffentlich nicht, denn schon mit dem „Vorlesen“ eines Bilderbuches wecken Sie Interesse für das spätere Lesen und bauen und festigen gleichzeitig die soziale Beziehung zu ihrem Kind. Wichtig ist, dass man langsam vorliest und dem Kind Zeit lässt, Fragen zu stellen. Schwierige Worte werden nach dem Vorlesen auch erklärt, so kann das Kind den Sinn des Textes verstehen und gleichzeitig seinen Wortschatz erweitern.

Als Vorlesezeit eignet sich ganz besonders auch die Zeit vor dem Schlafengehen. Nicht nur, weil die moderne Hirnforschung inzwischen herausgefunden hat, dass Fernsehen, Computerspiel oder ähnlich Dinge die Kinder bis in den Schlaf verfolgen und das Gehirn so nicht die nötige Ruhe findet, das Erlebte des Tages zu verarbeiten und zu wiederholen. Hierzu aber an anderer Stelle mehr. Vorlesen vor dem Schlafengehen sollte ein Rituale werden, weil es ein schöner Abschluss eines Tages ist, die Nähe zum Kind noch einmal intensiv aufgebaut werden und auch kleinere und größer Sorgen besprochen werden können.

Kinderbücher

Es gibt viele, viele Bücher auch und gerade für Kinder. Auch hier gibt es geeignete und nicht so geeignete Bücher. Meist haben die Bücher schon einen Altershinweis, an dem man sich grob orientieren kann. Im Kindergarten wird man sicherlich auch so manchen Tipp bekommen, welches Buch besonders geeignet ist für dieses Alter. Beratung erhält man auch in Buchhandlungen. Aber, man muss nicht jedes Buch kaufen. Die Stadt-, Pfarr-, Gemeindebibliothek in Ihrer Nähe hält meist auch eine Vielzahl unterschiedlicher Bücher zur Ausleihe bereit – Beratung inklusive!

Mein Kind will die pädagogisch wertvollen Bücher nicht lesen.

Auch Sie lesen sicherlich nicht jedes Buch mit Begeisterung, dass Sie auf einer Bestsellerliste finden. Auch hier entscheidet letztendlich der persönliche Geschmack. Auch ihr Kind hat Vorlieben und wird mit Sicherheit das ein oder andere Buch ablehnen. Dann versuchen sie es mit einem anderen Buch oder, nehmen Sie Ihr Kind mit in die Buchhandlung.

CD-ROM, Kassette usw.

Auch das Hören eines Hörspiels oder eines Hörbuches erfordert die gleiche Aufmerksamkeit vom Kind die es auch beim Vorlesen oder später beim Selberlesen benötigt, um dem Text den Sinn zu entnehmen. Daher spricht nichts dagegen, auch diese Medien zu nutzen. Allerdings sollte man dem Gehör des Kindes zuliebe die Lautstärkebegrenzung einstellen.

Auch gegen den Computer und kindgerechte Programme ist nicht einzuwenden, wenn Sie als Eltern ihn nicht als Ersatzlehrer einsetzen. Manche Dinge werden am Computer durch seine multimedialen Fähigkeiten besser erklärt, als Sie und ich das einem Kind erklären können. Der Einsatzzweck ist entscheidend.

Später, wenn Ihr Kind dann in der Schule ist, werden Sie sicherlich auch die ein oder andere CD-ROM finden, die auf das Schulbuch abgestimmt ist und so eine sinnvolle Ergänzung darstellen kann, wenn, ja, wenn Sie als Eltern das Kind begleiten und den Computer nicht als Schulersatz oder Lernpartner missbrauchen.

Neue Medien, Internet usw.

Manchmal könnte man meinen, dass Lesen gerade im Zeitalter neuer Medien und Internet nicht mehr die Bedeutung zukommt, die es vielleicht noch vor dreißig oder vierzig Jahren gehabt hat. Das ist eine Täuschung, denn gerade im Zeichen neuer Medien und Internet sind hohe Lesekompetenzen viel wichtiger geworden. Schauen Sie sich das Internet an. Alle Antworten bekommen Sie in der Regel in Textform. Auch im Moment lesen sie schon seit ein paar Minuten einen Text, den Sie verstehen, weil Sie die entsprechenden Kompetenzen besitzen.

Kompetenz und dazu die Lust am Lesen sind in einer Welt des lebenslangen Lernens die wichtigsten Voraussetzungen, um diesen Anforderungen mit Freude begegnen zu können.

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